ESCEO, Denosumab

Neue Daten zu Denosumab (Prolia®) vom ESCEO-Kongress

World Congress on Osteoporosis, Osteoarthritis and Musculoskeletal Disease der European Society for Clinical and Economic Aspects of Osteoporosis, Osteoarthritis and Musculoskeletal Diseases und der International Osteoporosis Foundation (WCO-IOF-ESCEO)
4.–7. April 2019, Paris
Die weltweit führende Konferenz im Bereich Knochen, Gelenke und Muskelgesundheit mit über 4000 Teilnehmern aus der ganzen Welt fand vom 4.-7. April in Paris statt. Im Folgenden möchten wir Ihnen die Abstract-Highlights des ESCEO-Kongresses präsentieren.
Tripto-Shkolnik et al. analysierten Daten eines großen Gesundheitsdienstleisters, um den Zusammenhang zwischen dem Absetzen von Prolia® und der Inzidenz von Frakturen im realen klinischen Alltag zu bewerten.1 Es wurden die Daten von 1500 Patientinnen, die Prolia® absetzten, und 1.610 Patientinnen, die Prolia® kontinuierlich einnahmen, über 100 Patientenjahre analysiert. Dabei zeigte sich, dass Patientinnen, die Prolia® absetzten, im Vergleich zu persistierenden Anwenderinnen eine höhere Gesamtfrakturrate [1,99 (95 % KI: 1,15–3,43) vs. 0,43 (0,02–0,91)] und eine höhere Rate von MVF hatten (0,8 % vs. 0,1 %; p < 0,05). Dies entspricht einer Rate von 1,14 (0,55–2,34) vs. 0,08 (0,02–0,40). Die Raten waren jedoch insgesamt niedrig. Die Autoren empfehlen, Maßnahmen gegen ein ungeplantes Absetzen der Behandlung zu ergreifen.
Ferrari et al. präsentierten eine Analyse der Zulassungsstudie FREEDOM und deren Verlängerung, in der das skelettale Nutzen/Risikoverhältnis einer Langzeitbehandlung mit Prolia® bei postmenopausalen Frauen mit Osteoporose abgeschätzt wurde.2 Da es in der Studie aus ethischen Gründen keine Langzeit-Placebogruppe gab, wurden die Frakturraten einer hypothetischen 10-jährigen Placebo-Kontrollgruppe mit gleichen Eigenschaften (sog. virtuelle Zwillinge) mithilfe eines Regressionsmodells abgeschätzt. Diese Methode liefert eine vernünftige Schätzung der Frakturraten von nicht behandelten Patienten. Die Anzahl der klinischen Frakturen, die durch die Behandlung mit Prolia® verhindert wurden, wurde auf 1.403 pro 100.000 Patientenjahre geschätzt. Die Analyse zeigte zudem, dass es pro 100.000 Patientenjahre 5 AFF-Fälle und 35 ONJ-Fälle gab. Dies bedeutet, dass pro AFF-Fall 281 klinische Frakturen und pro ONJ-Fall 40 klinische Frakturen verhindert wurden. Diese Ergebnisse sprechen für das günstige Nutzen/Risiko-Profil einer Langzeitbehandlung mit Prolia®.
In einer exploratorischen Ad-hoc-Analyse von 5 Zulassungsstudien mit Prolia® in Populationen mit geringer Knochenmasse/Osteoporose und in Populationen, die eine Hormonablationstherapie erhielten, zeigten McCloskey et al. eine signifikante Reduktion von Stürzen bei Prolia® Patienten (n = 5.030) im Vergleich zu Placebo-Patienten (n = 5.006).3 Kaplan-Meier-Schätzungen zeigten eine Sturzinzidenz von 6,4 % bei Patienten der Placebogruppe im Vergleich zu einer Sturzinzidenz von 5,3 % in der Prolia® Gruppe [HR: 0,78 (95 % KI: 0,66–0,93); p = 0,0053]. Die Daten weisen darauf hin, dass Prolia® nicht nur das Fraktur-, sondern auch das Sturzrisiko reduzieren kann. Die Heterogenität der Studiendesigns ermöglicht jedoch keine Gesamtbewertung der Assoziation mit den Frakturergebnissen.
In der DAPS-Studie (Evidence from the Denosumab Adherence Preference Satisfaction Study), einer offenen, randomisierten Crossover-Studie, verglichen Kendler et al. die Entwicklung der BMD bei postmenopausalen Patientinnen mit Osteoporose (BMD-T-Score ≤ -2,0 bis ≥ -4,0), die nach einer 12-monatigen Prolia®-Behandlung auf Alendronat umstellten, bzw. 24 Monate lang Prolia® erhielten.4 Die Ergebnisse zeigten nach der 12-monatigen Prolia®-Behandlung einen Anstieg der BMD an Lendenwirbelsäule, Gesamthüfte und Oberschenkelhals, der auch nach der Umstellung auf Alendronat erhalten blieb (Abb. 1). Es sind weitere Studien erforderlich, um zu zeigen, ob dies auch für eine über 12 Monate dauernde Prolia®-Behandlung und für die Umstellung auf andere Antiresorptiva zutrifft.
Abbildung 1
McCloskey et al. untersuchten in einer internationalen Studie die Muster von Osteoporose-Diagnosen und der medizinischen Behandlung von Patientinnen ≥ 70 Jahren in betreuten Wohnsituationen in Europa (n = 3.798; medianes Alter: 77 J.).5 Sie ermittelten den Anteil von Frauen mit erhöhtem Risiko für Fragilitätsfrakturen und ob diese eine Osteoporosemedikation erhielten. Ein erhöhtes Risiko für Fragilitätsfrakturen war definiert als Vorliegen von mindestens einem der folgenden Faktoren: Fraktur in der Anamnese; 10-jährige Wahrscheinlichkeit von Hüft- und schweren osteoporotischen Frakturen höher als der jeweilige länderspezifische FRAX® Schwellenwert; BMD-T-Score ≤ -2,5. Bei 54,7 % (n = 2.077) der Frauen wurde von einem erhöhten Frakturrisiko ausgegangen, 74,6 % dieser Frauen erhielten jedoch keine Osteoporosemedikation. Bei Frauen mit einer dokumentierten Osteoporosediagnose war diese Behandlungslücke deutlich geringer als bei Frauen ohne dokumentierte Diagnose (Abb. 2). Fehlende Diagnosen scheinen ein deutliches Hindernis für die Osteoporosebehandlung darzustellen und es sind effiziente Strategien zur Verbesserung der Diagnose und Versorgung nötig.
Abbildung 2
Abkürzungsliste
AFF: atypische Femurfraktur; BMD: Knochenmineraldichte; KI: Konfidenzintervall; FRAX: fracture risk assessment tool; MVF: multiple vertebrale Frakturen; ONJ: Kieferosteonekrose.
Referenzen
  1. Tripto-Shkolnik L, et al. Osteoporosis Int. 2019;30(Suppl 1):OC10.
  2. Ferrari S, et al. Osteoporosis Int. 2019;30(Suppl 1):OC18
  3. McCloskey EV, et al. Osteoporosis Int. 2019;30(Suppl 1):OC29.
  4. Kendler D, et al. Osteoporosis Int. 2019;30(Suppl 1):P411.
  5. McCloskey, et al. Osteoporosis Int. 2019;30(Suppl 1):P997.